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Essstörungen in unserer Gesellschaft


Essstörung – ein großes Wort, zu groß um genau ins Detail zu gehen, zu klein um die persönlichen Geschichte eines jeden Einzelnen zu erfassen. Störung: Ein gestörtes Verhalten wird an den Tag gelegt, das System kommt ins straucheln und bricht schlimmsten Fall zusammen.Wie wird eine Störung definiert? Welche Symptome reichen aus um eine Störung zu diagnostizieren?

Wir leben in einer Welt des Überflusses, wir können alles,jederzeit in jeder erdenklichen Menge bekommen. Wir stehen vor dem Joghurt-regal und sollen uns zwischen 30 verschiedenen Produkten entscheiden, die Werbung lockt uns mit Sparangeboten, vermeintlich besseren Produkten: Bioprodukte, lightprodukte. Das Sortiment ist einschüchternd ausladenden, die meisten Produkte gibt es zu erschwinglichen Preisen. Wie soll man bei so einer Auswahl noch wissen was man eigentlich möchte?

Ich gehöre zu der Generation, in der gutes Aussehen und schlank sein wichtiger ist als jemals zuvor.

Wer schön ist, sich pflegt, Sport treibt und gesund ernährt, ist cool, vital. Jede Tür wird sich für dich öffnen sobald du dir ein strahlendes Zahnpasta Lächeln und einen durch trainierten Körper angeeignet hast. Übergewichtige Menschen gelten häufig als Menschen zweiter Klasse, wer dick ist, scheint automatisch undiszipliniert, faul. Wer dick ist, lässt sich gehen. Es scheint kein Versehen zu sein, das die Hartz vier Empfänger im Nachmittagsprogramm von RTL stets übergewichtig und

träge da gestellt werden. Schlanke Menschen sehen besser aus, haben höhere Karriere Chancen und sind auch sonst die besseren Menschen. Dieses Weltbild wird durch die Werbung stetig verschärft.

14 jährige Mädchen sehen Heidis spindeldürre Topmodels und wünsche sich ebenfalls so auszusehen. In den 5 Minuten Werbung zwischen unserer Lieblingsfernsehserien werde wir mit den neusten Diätprogrammen und Lightprodukten überschüttet. Im selben Atemzug kommt ein Spot über den sündhaft sahnigen Vanille Joghurt. Sündhaft sahnig? In was für einer Welt leben wir, wenn Lebensmittel zur Sünde werden?

Gesund leben scheint das Stichwort unsere Zeit zu sein. Die Lebensmittel müssen aus ökologischen Anbau stammen, von Regionalen Bauern geliefert werden. Das Schnitzel auf unseren Teller, sollte am liebsten aus einem glücklichen Schwein geschnitten werden und wenn wir besonders viel Stress im Privatleben haben, entwickeln wir ein Laktose oder Glucose -allergie und essen fortan nur noch Reiswaffeln und Sojawürstchen. Wir leben jetzt vegan, nur noch von Bio Produkten oder verzichten komplett auf Kohlenhydrate. Das artikulieren wir dann stolz am Kaffeetisch,bei der Schulaufführung oder im Büro. Stolz auf unseren starken Willen und das neu gewonnen Lebensgefühl. Abnehmen wird zum Lebensinhalt. Es wird vergessen, das nicht jeder Mensch einen zierlichen und athletischen und Körperbau in sich trägt.


Die Statistik zeigt das ca. 30 % aller Frauen unter einer Essstörung leiden. Die Dunkelziffern sind weitaus höher. Machen Sie einen Test: Fragen Sie einige Frauen in Ihrem Umkreis ob sie mir ihrem Körper zufrieden sind. Das Fazit ist schockierend. Die wenigsten sind mit ihrem Körper auch nur ansatzweise im Reinen. Sie schlagen sich auf ihre angeblich schwabbelnden Schenkel und kneifen sich in Ihre Bäuche. „Hier muss bis zum Sommer noch soviel runter. Ich hasse meine Hüften.“

Das Idealbild ein Frau besteht aus einer Wespentaille, mindesten c Körbchen, ein Arsch der in Jeansgröße 34 passt und Oberschenkel die sich nicht berühren. Das dies ohne Schönheits-op nicht zu schaffen ist, scheint sich noch nicht herumgesprochen zu haben.

Die Frau von heute befindet sich auf der nie endenden Suche, nach der einen effektiven Diät mit der man ohne Hungern 5 Kilo über Nacht verliert und das alles ohne Sport. Crash diäten, Mono oder sogenannte Model-diäten sind begehrte Suchtreffer bei Google. Wir kreieren ein Bild, in dem wir Fast Food verabscheuen und mit gespieltem Ekel die Lippen schürzen, wenn wir einen Miniatur Bissen auf der Gabel haben. Die moderne Frau braucht nicht zu essen, wir leben von Wasser und Vitamintabletten, schließlich schmeckt uns das meisten sowieso nicht. Wir mögen nur Caesar salad und Sellerie. Hunger ist uns unbekannt, wir sind viel zu beschäftigt, Kinder, Karriere, Haushalt und

abends zum Joggen oder zum Sport. Die wenigstens Frauen ernähren sich ausgewogen und ausreichend. Stets eine Ausrede parat, es ist zu früh, zu spät, ich essen nur vor 13 Uhr, wenn mein Nägel lackiert sind usw. Schließlich sind wir sowieso 7 Tage die Woche auf Diät.

Im Essen stochern wird zum Symbol der Weiblichkeit. Wir sollen zart und zerbrechlich sein und nicht gierig das Essen herunter schlingen. Ein Beispiel: Ein Mädchen hat ein erstes wichtiges Date mit einem Jungen. Den ganzen Tag über isst sie nichts um einen flachen Bauch in ihrem atemberaubenden Kleid zu haben. Der Junge lädt sie zum essen ein, sie bestellt einen Salat, isst langsam, bedächtig. Lacht und erzählt. Betont lässig legt sie nach der halben Portion ihr Besteck weg. „Kein Wunder das du so zierlich bist, du isst wie ein Vogel“ sagt der Junge mit einen bewundernden Zug um den Mund. Das Mädchen lächelt und fühlt sich bestätigt.

In der Nacht wird sie der Hunger an den Kühlschrank treiben und danach werden die Schuldgefühle sie überwältigen.


Im Internet bilden sich Communitys zum gemeinsamen hungern. Googlen sie die Stichwörter „skinny“ oder „pro ana“ und sie werden zahlreiche Blogs von verzweifelten, getriebenen Mädchen finden, alle mit dem selben Ziel: sich selbst bis in den Untergang zu foltern und kontrollieren. „Pro ana“ = „Für Anorexie“. Stumme Hilfeschreie neben Schuldeingeständnissen und dem Schwur morgen stark zu sein und keinen Bissen zu sich zunehmen. Abnehmen wird zum Hobby, Event, Lifestyle. In manchen Foren müssen täglich Angaben zum aktuellen Gewicht gepostet werden. Soviel Mädchen, die alle auf den gleichen Traum hereingefallen sind: Wenn man nur ein paar Kilo verliert, wird das Leben leichter sein, alle werden einen lieben und begehren, man wird federleicht durch diese Welt schweben. Von den ausfallenden Haaren, den kaputten Zähnen und nicht unerheblichen Schmerzen schreibt keiner. Fotos von blanken Hüftknochen werden öffentlich zur Schau gestellt und bewundert. Über die Nahrungszufuhr wird mit sogenannten Abnehmn-twins diskutiert. „Ich hatte heute morgen solchen Hunger und zwei Brote gegessen. Ich hasse mich“ - „Oh mein gott, wie konntest du? Ich bin bei dir. Sei stark.“ Die Krankheit Anorexie wird verhamlost „Ana“ genannt.

„Ana“ wird zu Freundin, die dabei hilft ein wertvolleres, sinnerfülltes Leben zu führen. Hungern wird zur Kunst, den eigenen Körper zu quälen zum Bedürfnis. Viele Magersüchtige sind auf die Anteilnahme ihrer Mitmenschen angewiesen. Die Sorge, das Mitgefühl, der Zorn der Mitmenschen wird zur angenehmen Gewohnheit. Wenn man nur erst gesund wird, werden die Lieben dich fallen lassen, wer bist du schon, wenn nicht das dürre Mädchen das beschützt und verhätschelt werden muss?


Die Bulimie ist in unsere Gesellschaft stets weniger wert als die Magersucht. Die Magersüchtige verleugnet ihren Körper, ihr Bedürfnisse nach Nahrung. Der Anorektische Körper lehnt alles ab, Nahrung, Nähe, Emotionen. Er braucht nichts und trägt das nach außen. Trotzdem wirkt er stets zerbrechlich und Schützenswert für das soziale Umfeld. Die täglichen Qualen, das planen der Mahlzeiten, die pure Verzweiflung wenn zu viele Kalorien am Tag aufgenommen wurden. Die Schwächeanfälle und Panik -attacken im Supermarkt, all das bleibt lange unentdeckt. Die Gesellschaft sieht in dir nur das Abziehbild eines Models. Kontrolliert, mit der Willenskraft zur Weltherrschaft. Und selbst wenn du doch zu dünn wirst, kein Problem. Schließlich musst du nur essen um wieder gesund zu sein. Wenn es weiter nichts ist..

Das Runter schlingen von großen Mengen Lebensmitteln in kurzer Zeit, hingegen, verbunden mit dem anschließenden Erbrechen ist alles andere als weiblich oder bewundernswert. Die Bulimie findet oft im geheimen, hinter verschlossenen Türen statt. Am Anfang ist alles großartig, man erbricht selten, nimmt ab und fühlt sich als hätten man den Schlüssel zum schlanken Körper ohne Einschränkungen gefunden. Bald beginnt sich der Körper gezielt zu wehren, Fressattacken werden zur Horrorvorstellung. Du fühlst dich wie eine Königin weil du die Natur überlistet hast, Schokokuchen genießt und trotzdem schlank bist. Du hast alles unter Kontrolle. Nach einigen Monaten wirst du in der Küche stehen, alle erdenklichen Lebensmittel in dich rein stopfen, unter Tränen und Schmerzen. Dein Kopf ist leer gefegt und deine Finger werden nach allem allem Essbaren greifen.

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Ob Bulimie oder Anorexie,

Essstörung werden in unserer Gesellschaft gerne als Entwicklungsphase, Allüre oder Spinnerei abgewertet. Dem ist niemals so. Der Anschein eines gesunden, vitalen Menschen trügt. Hinter der attraktiven Fassade kann tiefe Verzweiflung und Zerrissenheit liegen. Ich möchte mit diesem Text weder belehren noch den Zeigefinger heben. Ich habe dies geschrieben um zu reflektieren, eigene Schlüsse aus dem Krankheitsbild zu ziehen. Mir selbst zu verdeutlichen worum es eigentlich geht.

Es ist kein Spiel, niemals. Irgendwann ist es unendlich schwer, nahezu unmöglich, wieder ein normales Leben zuführen. Aber es gibt Hoffnung..

 

 




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